Unsere gesamte Geschichte ist ein einziger Lernprozess. Die Gründer, die das Nationalteam bis dahin bei zahlreichen Spielen begleitet hatten, erkannten die schwierige Situation, in der sich die Fanszene rund um das Nationalteam befand, und fassten den Entschluss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Anfangs wussten wir noch recht wenig über eine gute Fankultur und darüber, wie vieles funktionierte. Mit der Zeit wurde die Führung des Fanklubs jedoch immer professioneller. Einen Lehrmeister im engeren Sinn, der uns in das Fanwesen einführte, gab es nicht. Vielmehr mussten wir uns alles – wirklich alles – selbst erarbeiten. Umso bemerkenswerter ist es, wie sich der Fanklub bis heute entwickelt hat und welche sehenswerten Aktionen daraus hervorgegangen sind und weiterhin entstehen.
Das Stimmungsmachen liegt uns im Blut. Bereits beim ersten Länderspiel im November 2010 hatten wir zwei Trommeln dabei – aus heutiger Sicht ein Grund zum Schmunzeln. Ein halbes Jahr später übernahmen wir sogar den Hauptsupport. Ein Jahr lang führten wir den Support und bauten unsere Ausstattung deutlich aus. Wir konnten einige gelungene Aktionen umsetzen, doch der große Durchbruch blieb trotz intensiver Bemühungen aus. Dieser Schritt kam damals einfach zu früh: Der Fanklub war noch blutjung und hatte sich in der Szene noch keinen Namen gemacht. Im Herbst 2012 führte unsere kritische Haltung gegenüber bestimmten Entwicklungen beim ÖFB – auf die hier nicht näher eingegangen werden soll – zu massiven Problemen. Diese gingen so weit, dass uns der ÖFB vorübergehend die Anerkennung als Fanklub entzog. Beim darauffolgenden Fanklubtreffen konnten die Probleme jedoch ausgeräumt werden.
Das Jahr 2013 war von zahlreichen Auswärtsreisen geprägt und stellte einen weiteren Prüfstein für die Entwicklung des Fanklubs dar. Wir waren bei allen Auswärtsspielen vertreten, teilweise in beachtlicher Zahl, und verpassten von November 2011 bis zum Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 kein einziges Auswärtsspiel. Im Sommer 2013 übernahmen wir erneut den Hauptsupport. Diesmal wollten wir die Sache besser angehen – und das gelang. Es folgten sehenswerte Auftritte im Herbst; im Winter bauten wir unsere Ausstattung erneut aus.
Beim ÖFB-Fanklubtreffen im Januar 2014 übernahmen wir den Hauptsupport schließlich auf unbestimmte Zeit. Rechtzeitig vor den Heimspielen in Wien konnten wir in die Mitte der Fankurve wechseln. Natürlich wollten wir dort ordentliche Leistungen zeigen. Deshalb organisierten wir 2014 mehrere Choreografien und arbeiteten daran, uns beim Stimmungsmachen weiterzuentwickeln und als Stimmungszentrum zu etablieren.
Ein Meilenstein war die eindrucksvolle Choreografie gegen Schweden im September 2014, die wir gemeinsam mit dem Teamfanklub Pielachtal über die gesamte Fankurve umsetzten. Mit Glitzerzetteln und einem riesigen Spruchband war sie in puncto Kreativität, Aussage und Durchführung ganz großes Kino. Eine Choreografie dieser Art hatte es beim Nationalteam zuvor noch nicht gegeben. Zwei Monate später folgte gegen Russland eine ähnliche Aktion. Auch auswärts traten wir verstärkt in Erscheinung, insbesondere mit Choreografien in Tschechien, Moldawien und Liechtenstein. Von diesem Zeitpunkt an bis 2021 war es unser Anspruch, bei jedem Auswärtsspiel Vorsänger und Trommler einzusetzen und nach Möglichkeit auch Choreografien umzusetzen.
Anfang 2015 veröffentlichten wir die erste Ausgabe unseres Fanzines „Der Hurricane“. Im März errichteten wir mit Unterstützung der Blutgruppe Rot Weiß Rot erstmals ein eigens gefertigtes Vorsängerpodest in Wien und konnten die Kurve dadurch noch besser erreichen. Weitere Höhepunkte des Jahres 2015 waren die aufwendige Jubiläumschoreografie zum fünfjährigen Bestehen der Hurricanes Österreich beim Heimspiel gegen Moldawien sowie das denkwürdige Auswärtsspiel gegen Schweden. Dort gab es einen von uns angeführten Fanmarsch, eine selbst angefertigte Auswärtschoreografie und einen außergewöhnlichen Support. Im Oktober 2015 änderten wir aus praktischen Gründen die Schrift unserer Spruchbänder, und im November fand schließlich die lange erwartete Feier zum fünfjährigen Bestehen in Schwechat statt.
Das Jahr 2016 stand ganz im Zeichen der EM-Endrunde in Frankreich, die im Juni stattfand. Wir besuchten alle drei Gruppenspiele, teilweise in beachtlicher Zahl, und organisierten trotz aller Hindernisse gemeinsam mit anderen Fanklubs und dem ÖFB bei allen drei Spielen Choreografien. Abertausende Österreicherinnen und Österreicher reisten zu den Spielen. Die Stimmung war durchwachsen, erreichte phasenweise jedoch ein sehr hohes Niveau. Leider schied Österreich bereits in der Gruppenphase aus. In der WM-Qualifikation für die WM 2018 setzten wir bei Heimspielen im Wiener Ernst-Happel-Stadion erstmals in unserer Ära eine Tonanlage ein. Ihr Einsatz war mit großem organisatorischem und finanziellem Aufwand verbunden, stellte aber einen weiteren Meilenstein in unserer Fanklubgeschichte dar. Choreografisch rundeten wir das Jahr 2016 mit einer eindrucksvollen Wien-Choreografie beim Heimspiel gegen Irland und wenig später mit unserer ersten kleinen Überrollfahne anlässlich der Verabschiedung von Kapitän Christian Fuchs ab. Auch bei den Spielen gegen die Niederlande im Juni und gegen Wales im Oktober organisierten wir eigenständig Choreografien.
Das Jahr 2017 begann mit einer Choreografie im ersten Rang, bei der wir die bis dahin größte Überrollfahne beim Nationalteam präsentierten. Sie war zugleich die größte Überrollfahne unserer eigenen Geschichte und zeigte den Bundesadler sowie unser Logo. Bei den beiden Auswärtsspielen in Irland und Wales konnten wir jeweils einen Fanmarsch organisieren und anführen. Die Herbstspiele in Wien waren aufgrund der ausbleibenden sportlichen Erfolge schwach besucht und von zahlreichen Spruchbändern unsererseits geprägt. Weitere Choreografien gab es leider nicht. Dafür veröffentlichten wir bei den letzten beiden Heimspielen in Wien im Jahr 2017 unser Stadionfanzine „Stadion Hurricane“, das sehr guten Zuspruch fand. Noch vor Jahresende wurde Teamchef Marcel Koller durch Franco Foda ersetzt, der beim Heimspiel gegen Uruguay sein Debüt gab.
Das Jahr 2018 stand vor allem im Zeichen der Kampagne „Heimspiele nur im Happel-Stadion“. Anlass dafür war, dass zunächst mehrere Freundschaftsspiele außerhalb Wiens angesetzt wurden und ein weiteres Heimspiel zwar in Wien, aber in der Generali-Arena stattfand. Zudem machten wir darauf aufmerksam, dass aufgrund der neuen „Week of Football“ viele Spiele an Werktagen ausgetragen wurden. Gegen Brasilien zeigten wir im Ernst-Happel-Stadion mit einem Flammenmeer die bis dahin spektakulärste Choreografie. Auch im Herbst setzten wir im ersten Rang mehrere kleinere und vielfältige Choreografien um. In Innsbruck gelang zudem eine umfangreichere Aktion. Die aufwendige Choreografie gegen Deutschland in Klagenfurt musste wegen starken Regens leider abgesagt werden. Im Herbst begann die erste Austragung der Nations League, in der sich Österreich in Liga B halten konnte. Erwähnenswert war außerdem der erste Heimmarsch vor dem Spiel gegen Brasilien in Wien.
Im Jahr 2019 standen erneut mehrere Reisen an, unter anderem nach Israel. Auch choreografisch jagte ein Höhepunkt den nächsten. Gegen Polen konnten wir die 2018 abgesagte Choreografie mit einem riesigen Bundesadler als Überrollfahne und einem sehr detailreich gemalten Spruchband mit zahlreichen Wahrzeichen umsetzen. Im Herbst folgte zunächst eine mehrteilige Aktion anlässlich „9 Jahre Hurricanes“ mit mehreren Überrollfahnen. Danach zeigten wir das detailreiche und aufwendige Bild „Land der Berge“ mit einem bewegten Schiff und Traktoren. In diesem Spiel sicherte sich Österreich die Qualifikation für die EM 2020. Unser Fanklub feierte dies mit der Aftershow-Choreografie „Europa, wir kommen!“. Ein weiterer besonderer Moment war der Fanmarsch in Slowenien, bei dessen Durchführung uns die Behörden mit Straßensperren unterstützten.
Es waren die letzten Länderspiele vor der Corona-Pandemie. Danach dauerte es 22 Monate, bis Stadionbesuche wieder weitgehend uneingeschränkt möglich waren. In dieser Zeit gingen wir in uns und legten im August 2021 schweren Herzens, aber auch mit viel Stolz, unsere Funktion als Hauptfanklub nieder. Über viele Jahre hatten wir den Hauptsupport bei allen Länderspielen geführt, was mit der Zeit einen immer größeren Aufwand mit sich brachte. Gleichzeitig erwies sich der Aufbau einer dauerhaft etablierten Fankurve aus verschiedenen Gründen als schwierig, und es kam immer wieder zu Rückschlägen. Nach vielen intensiven Jahren und der langen Unterbrechung durch die Corona-Pandemie war bei zahlreichen Mitgliedern die Luft raus, sodass wir die gewohnte Qualität nicht mehr garantieren konnten.
Es fand sich jedoch keine andere Fangruppierung, die den Hauptsupport dauerhaft übernehmen wollte. Wir führten mehrere Gespräche mit anderen Fanklubs und dem ÖFB, um eine Lösung zu finden. Im Juni 2022, knapp ein Jahr nach unserem Rückzug, boten wir an, zumindest bei den Heimspielen in Wien die Stimmung mit Trommeln und Megafonen zu koordinieren – allerdings in deutlich reduzierter Form. Dieses Modell setzten wir bei mehreren Spielen um. Außerhalb Wiens waren wir nicht mehr regelmäßig vertreten.
Im Juni 2023 zogen wir beim wichtigen Heimspiel gegen Schweden noch einmal alle Register und holten unser inzwischen verstaubtes Podest samt Tonanlage wieder hervor. Erstmals seit Langem zeigten wir wieder eine Choreografie und setzten mit Folienbahnen eine technisch anspruchsvolle und besonders eindrucksvolle Aktion um. Die Stimmung beim Heimsieg war einmalig. Das Spiel zeigte uns als Fangruppierung jedoch klar unsere Grenzen auf; zudem waren wir auswärts kaum noch vertreten. Der über Jahre hinweg betriebene enorme Aufwand stand in keinem Verhältnis zu der Wertschätzung, die uns das Team, der Verband und die eigenen Fans entgegenbrachten. Für viele waren wir sogar ein Dorn im Auge. Daher beschlossen wir Anfang Juli 2023, beim Heimspiel gegen Belgien im Oktober ein allerletztes Mal alles zu geben. Bei diesem Spiel zeigten wir zwei mächtige Choreografien. Für die erste fertigten wir die größte Überrollfahne unserer Geschichte an; die zweite war die größte Wurfrollenchoreografie, die es bis dahin in Österreich gegeben hatte. Wir präsentierten noch einmal unser gesamtes Tifo-Material und feierten unseren Abschied gebührend.
Im November 2023 zogen wir uns aus der Mitte der Fankurve in die hinteren Ränge zurück. Unser Banner hing nicht mehr, und wir unterstützten das Team fortan aus dem Hintergrund. Dadurch entstand Raum für mehrere motivierte Fanklubs, die sich zur „Fankurve Österreich“ zusammenschlossen. Diese organisiert seit der UEFA EURO 2024 den Support und gestaltet Choreografien.
Nachdem sich die neue Struktur etabliert hatte und wir zugleich einen deutlichen Mitgliederzuwachs verzeichneten, präsentierten wir uns im Oktober 2025 – anlässlich unseres 15-jährigen Jubiläums – mit einem neuen Heimbanner. Das neue Design markiert bewusst einen klaren Schnitt und den Beginn einer neuen Ära.
